Teil 3 | Qualitätsmerkmale der Volunteer-Organisation


So unterschiedlich die Angebote für Freiwilligenarbeit im Ausland auch aussehen, für alle sollte gleichermaßen gelten, dass sie nach klaren Kriterien umweltgerecht und sozialverantwortlich gestaltet sind. Ein gutes Projekt sollte also so aufgebaut sein, dass alle Beteiligten (Freiwillige und die Bevölkerung vor Ort) davon profitieren und die Umwelt vor Ort nicht zu Schaden kommt. Für sämtliche Produkte auf dem Markt gibt es mittlerweile Qualitätstests und Auszeichnungen (z.B. von Stiftung Warentest). Für den Bereich Voluntourismus ist das jedoch nicht ganz so einfach. Es gibt noch keine Qualitätssiegel, die die gesamte Bandbreite an Angeboten abdecken. Um zu überprüfen, ob eine Entsendeorganisation sich für Qualität in ihren Programmen einsetzt, kannst du schauen, ob sie Mitglied in einem Verband ist, ein Qualitätssiegel besitzt oder bestimmte Verhaltenskodizes unterschrieben hat.

Mitgliedschaft in Dach-, Fach- und Qualitätsverbänden

Viele Entsendeorganisationen und Veranstalter sind Mitglieder in Verbänden. Damit verpflichten sie sich zur Einhaltung bestimmter Qualitätskriterien, die von dem Verband festgelegt und überprüft werden. Für den Bereich Freiwilligenarbeit im Ausland gibt es noch kaum Verbände. Alle geförderten Freiwilligendienste (weltwärts, kulturweit, EFD etc.) müssen sich an die gesetzlichen Vorgaben halten, Voluntourismus-Anbieter jedoch nicht. Das macht es sehr schwierig, solche Anbieter anhand von bestimmten Qualitätskriterien zu erfassen.

Qualitätssiegel

Qualitätssiegel sind Auszeichnungen, die eine Organisation erhält, wenn sie bestimmte Anforderungen erfüllt. Im Tourismusbereich und unter den Reiseveranstaltern gibt es sehr viele Qualitätssiegel, z.B. Fairtrade-Labels, Bio-Siegel, Fair Trade in Tourism South Africa (FTTSA), Green Globe, CSR Tourismus etc. Alle sollen dazu beitragen, die ökologischen Belastungen durch den Tourismus zu verringern und den Nutzen für Land und Leute zu erhöhen. Es kann also sein, dass viele Reiseveranstalter, die Freiwilligenprojekte anbieten, ein solches Qualitätssiegel besitzen. Das ist dann schon sehr gut. Der Veranstalter achtet dann darauf, die Nachhaltigkeit bei ihren Produkten zu erhöhen. Das CSR Qualitätssiegel wurde beispielsweise vom Forum anders reisen e.V. entwickelt, das alle Mitglieder in einem Zertifizierungsprozess überprüft. Allerdings beziehen sich diese Qualitätssiegel generell auf den Tourismusbereich und nicht ausschließlich auf Freiwilligenprogramme und Voluntourismus.

Verhaltenskodex

Für Unternehmen und Organisationen (insb. im Tourismussektor), die Programme in fremden Ländern anbieten, gibt es sogenannte Verhaltenskodizes. Das sind Leitlinien, die einen Rahmen für einen nachhaltigeren und verantwortungsvolleren Tourismus bieten sollen. Indem eine Organisation einen solchen Verhaltenskodex unterschreibt, verpflichtet sie sich dazu, diese Leitlinien zu befolgen. Es gibt Verhaltenskodizes für die unterschiedlichsten Bereiche. Beispielsweise gibt es einen internationalen Verhaltenskodex zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung im Tourismus („The Tourism Child-Protection-Code“). Damit engagiert sich die Organisation mit ihren Vertragspartnern vor Ort dafür, die sexuelle Ausbeutung von Kindern in vielen Ländern zu verhindern. Auch die Welttourismusorganisation hat einen globalen Ethikkodex verabschiedet. Dieser bezieht sich auf soziale, kulturelle, wirtschaftliche und ökologische Aspekte im Reiseland. Wenn eine Organisation einen solchen Verhaltenskodex unterschrieben hat, gibt sie das in der Regel auf der Website an. Das ist immer ein guter Hinweis darauf, dass die Organisation sich auch richtig Verhält im Bezug auf die Arbeit im Gastland.

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Weitere Linktipps zum Thema Voluntourismus Angebote:

>> Teil 1 | Das richtige Projekt/eine gute Organisation findenÜberblick: Nachhaltigkeit im Voluntourismus

Unser Tipp: Experten-Interview zum Thema "Nachhaltigkeit im Voluntourismus"

Larissa Oppermann (24) hat sich in ihrer Bachelorarbeit mit dem Thema Voluntourismus beschäftigt. Ein von ihr erarbeiteter Kriterienkatalog soll dabei helfen, von gewerblichen Veranstaltern angebotene Volunteer-Projekte auf ihre soziale Nachhaltigkeit zu prüfen. Im Gespräch mit Christian vom freiwilligenarbeit.de/magazin verrät Larissa, warum ihr das Thema am Herzen liegt und erklärt, wie sich die verschiedenen Freiwilligenarbeit-Angebote voneinander unterscheiden. Außerdem spricht sie über die Möglichkeiten ihren Katalog in der Praxis anzuwenden, und welche positiven Effekte für den Voluntourismus sie sich davon erhofft.

Hier geht es zum Interview:

>> Nachhaltigkeit im Voluntourismus

Geregelte Freiwilligendienste im Ausland

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