Service Learning

Der Begriff Service Learning steht für „Lernen durch Engagement“ und bezeichnet eine Lehrmethode, die fachliches Lernen an Schulen beziehungsweise Hochschulen mit gesellschaftlichem Engagement verbindet. Kognitives Lernen in Verbindung mit verantwortungsvollem Handeln in einem sozialen Umfeld hilft allen Beteiligten: Die Studenten können die erlernte Theorie gleich in die Praxis umsetzen und das Engagement hilft einem sozialen Zweck. Zudem profitiert auch die beteiligte Lehranstalt durch das neu hinzugewonnene Wissen. Win-win-Situation nennt man das heutzutage.

Was genau ist Service Learning?

Lernen durch Engagement ist eine wissenschaftliche Methode des Lernens durch Handeln und gehört zur sogenannten Civic Education. Die Methode stammt aus den USA, wo sie schon länger und weiter verbreitet ist als in Deutschland. Die fachlichen Lerninhalte – egal ob an Schulen oder Hochschulen – werden bei dieser Methode so vermittelt, dass der eigentliche Lerneffekt während der begleitenden Arbeit in einem gemeinnützigen, sozialen Projekt eintritt. Nachfolgend stellen wir die wichtigsten Bestandteile des Service Learning vor, beleuchten die Vorteile, die du – und das Projekt, welches du tatkräftig unterstützt – davon hast und wie das Lernen durch Engagement nicht nur dein Studium bereichert.

Service Learning an deutschen Hochschulen

Wenn du dich für ein Seminar Service Learning an einer deutschen Hochschule entscheidest, wirst du gleich in mehrfacher Hinsicht profitieren. Denn erstens ist ein solches Seminar eine tolle Abwechslung vom normalen Studienalltag, zweitens tust du für ein sinnvolles Projekt viel Gutes und drittens wirst du viel lernen und Pluspunkte für deinen Lebenslauf erwerben. Denn auch künftige potentielle Arbeitgeber wissen ein solches Engagement zu schätzen. Doch was hat es mit dem Service Learning genau auf sich?

Der Ablauf

Ein Service-Learning-Seminar an einer deutschen Hochschule dauert üblicherweise ein Semester. Es gibt fächerübergreifende Seminare, die das Service Learning beinhalten oder Seminare an bestimmten Fachbereichen, meist aus dem gesellschaftswissenschaftlichen Bereich. Die Studenten besuchen dabei ganz normale Lehrveranstaltungen an ihrer Hochschule. In diesen Veranstaltungen bereiten die Studenten gemeinsam mit den Dozenten ein Projekt vor und hinterher auch nach. Parallel dazu arbeiten sie praktisch an beziehungsweise in dem Projekt, welches ausgewählt wurde.

Welche Projekte sind möglich?

Dabei handelt es sich meist um gesellschaftsrelevante, soziale Projekte aus den Bereichen Kinder- und Jugendarbeit, Betreuung von benachteiligten Personen, Arbeit mit Alten oder Behinderten, aber auch Projekte, die sich im künstlerischen oder sportlichen Bereich bewegen und ein soziales Ziel verfolgen. Konkrete Projekte können beispielsweise sein:
Du gibt als Student Flüchtlingen Deutschunterricht oder begleitest sie anderweitig in ihrem Alltag; du erstellst Homepages für ältere Mitbürger, die sich auf diesem Weg darstellen möchten; du hilfst bei der Beratung von sozial Benachteiligten unserer Gesellschaft oder auch in der Beratung von Studienabbrechern; du arbeitest in pädagogischen Projekten mit Kindern, zum Beispiel in einem Theaterprojekt etc. Die Vielfalt ist enorm groß und eigene Ideen sind oft gern gesehen.

Lernen und Umsetzen

Die Arbeit in einem solchen Projekt kannst du dir später üblicherweise auf deine Studienleistung anrechnen lassen, zum Beispiel in Form von cerdit points.  Pro Semester werden für ein Service-Learning-Projekt normalerweise zwischen 60 und 90 Stunden pro Semester kalkuliert. Der besondere Effekt beim Lernen durch Engagement ist, dass du sehr praxisnah wichtige Erfahrungen sammeln kannst. Du engagierst dich hautnah in realen Institutionen und lernst so, wie man in professionellen Handlungsbereichen effektiv und zielführend arbeitet. Die projektbezogene Arbeit wird dabei nebenher theoretisch aufgearbeitet und dokumentiert. Somit wirkt sich das Service Learning auch auf die Qualität der Lehre an den beteiligten Hochschulen aus, denn die praxisbezogenen Inhalte werden direkt weiter verarbeitet.

Der Nutzen von Service Learning

Von Service-Learning-Projekten profitieren in der Regel alle Beteiligten: Das unterstützte Projekt durch die motivierte Mitarbeit jungen, engagierter Studenten, die Hochschule durch die Lehren, die durch die Praxisarbeit in die Universität getragen wird und natürlich du selbst als Teilnehmer an einem solchen Projekt. Denn erwiesenermaßen ist der Lerneffekt bei Projekten, in denen das theoretisch Erlernte direkt in der Praxis begleitet wird, höher als bei „nur“ theoretischen Projekten.


Die Vorteile für alle Beteiligten lassen sich stichpunktartig wie folgt zusammenfassen:

  • Theorie und Praxis werden sinnvoll und zielführend verknüpft
  • Die fachlichen und persönlichen Kompetenzen aller Beteiligten werden angewandt und fortentwickelt.
  • Es ergeben sich fast automatisch viele Anregungen für die künftige Forschungsarbeit an den beteiligten Hochschulen.
  • Es entsteht eine fruchtbare Zusammenarbeit von Hochschulen mit lokal oder regional tätigen Organisationen oder Institutionen, die im Anschluss an ein Projekt vielleicht langfristig ausgelegt werden.
  • Alle Beteiligten gestalten und prägen sinnvolle Bestandteile des Gemeinwesens aktiv mit.
  • Es begegnen sich unterschiedliche Lebenswelten und idealerweise profitieren alle gemeinsam davon.


Abgesehen davon wirst du als Student wichtige und wertvolle Erfahrungen sammeln können, die dir möglicherweise später im Job beziehungsweise bei der Jobsuche helfen können. Denn die Vermittlung bestimmter Werte, die in solchen Service Learning-Projekten automatisch Bestandteil sind sowie die gezielte Reflexion derer kommen im normalen Hochschulalltag viel zu kurz. Denn auf dem heutigen Arbeitsmarkt zählen neben den entsprechenden Fachkenntnissen auch soziale Kompetenzen wie Verantwortungsbewusstsein, Ehrgeiz, Einsatzbereitschaft und soziales Engagement. Dies alles kannst du natürlich auch in Praktika oder bei Auslandsaufenthalten erwerben, aber Service Learning ist sehr geerdet und kommt bei allen Beteiligten sehr gut an. Das ist in Praktika nicht immer so.

Service Learning im Zusammenhang mit gesamtgesellschaftlicher Verantwortung

Ein „übergeordnetes“ Ziel von Projekten des Service Learnings – abgesehen vom geschilderten greifbaren Nutzen für alle Beteiligten – ist es, unsere Gesellschaft und damit die Demokratie zu stärken. Die Gesellschaft profitiert durch das –unbezahlte – Engagement junger Studenten. Zudem ist es erwiesen, dass sich Menschen, die bereits in jungen Jahren sozial und für die Gesellschaft engagiert sind, dies auch in ihrem späteren Leben tun. Somit profitiert die Gesellschaft nicht nur kurzfristig und konkret durch ein Projekt, sondern dadurch, dass sich bei vielen Beteiligten etwas für ihr ganzes Leben ändert. Es geht also auch darum, das sogenannte Sozialkapital einer Gesellschaft zu stärken und auszubauen. Wenn sich mehr junge Menschen nicht nur kurzfristig, sondern vielleicht ihr ganzes Leben lang effektiv und ehrenamtlich für die Gesellschaft engagieren, Gemeinsinn und Verantwortungsbereitschaft als normalen Bestandteil ihres Alltags akzeptieren, dann hilft das der Gesellschaft insgesamt.

Wo gibt es Service-Learning-Projekte?

Service -Learning-Projekte im Hochschulbereich gibt es inzwischen fast bundesweit. Nach einer aktuellen Studie gibt es an fast 60 bundesdeutschen Hochschulen Service -Learning-Projekte. An vielen anderen Hochschulen hingegen sind sie nach wie vor unbekannt. Aber die Zahl der Projekte steigt stetig an, auch weil sich immer mehr herumspricht, wie profitabel die Projekte für alle Beteiligten sind. Denn der Aufwand für die beteiligten Hochschulen ist überschaubar und der Gewinn für sie – wie auch für die Studenten, die sich beteiligen und natürlich die unterstützten Projekte –, ist groß und nachhaltig. So existiert inzwischen ein hochschulübergreifendes Netzwerk namens „Bildung durch Verantwortung“, das das Konzept des Service Learnings bekannter machen möchte. Gründungsmitglieder dieses Netzwerkes waren im Jahr 2009 die Hochschulen Duisburg-Essen, Erfurt, Mannheim, Würzburg, Saarbrücken sowie die Fachhochschule Erfurt.

Verschiedene Stiftungen fördern die universitären Bemühungen, Service Learning weiter zu etablieren, mit Geld und Know-how. Die Virtuelle Hochschule Bayern bietet seinen Studenten ein Online-Angebot zum Service Learning, in dem künftige Lehrkräfte mit den Methoden und Praktiken vertraut gemacht werden. Seit Kurzem können die Studenten aller bayerischen Hochschulen daran teilnehmen.

Service Learning in Schulen

Nicht nur im universitären Umfeld gibt es Service Leraning-Projekte, auch an vielen deutschen Schulen wird diese Lern- und Lehrmethode immer beliebter. Hier soll den Schülern in möglichst jungen Jahren bereits beigebracht werden, wie sinnvoll und zielführend Projekte des Service Learnings sein können. Die Schüler berichten nach dem Praxisteil den Mitschülern von ihrem Engagement in einem gesellschaftlichen Projekt und arbeiten dies gemeinsam auf. Sie trainieren dabei soziale und demokratische Kompetenzen, was ihnen später sehr hilft. Der Unterricht wird praxisorientierter und spannender. Viele Schüler bleiben auch nach einem konkreten Projekt „am Ball“ und engagieren sich abseits von Schule und vielleicht später Studium „für eine gute Sache“. Das hilft ihnen selbst und natürlich auch unserer Gesellschaft insgesamt. Service Learning in Schulen eignet sich für alle Schulformen und fast alle Fächer. Rund 100 Schulen aus elf Bundesländern beteiligen sich bereits mit eigenen Projekten. Sie haben sich zu einem „Netzwerk Lernen durch Engagement“ zusammengeschlossen.

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